Kinderzimmer: Räume von Kindern für Kinder

Warum gibt es Zimmer für Kinder, die nicht zum Entdecken einladen?

Im Grunde genommen ist diese Frage schnell beantwortet: Kinder sind oftmals passive Begleiter von eifrigen Mamas und Papas, die es einfach nur gut meinen. Das bedeutet, sie dürfen ihren Raum für entwicklugsbegleitende Entdeckungen nicht selbst mit gestalten. Dieser Beitrag beschreibt wie Entwicklungs-Frei-Räume aussehen können, welche die Kinder zum altersgerechten Entdecken einladen.

 

Kinderzimmer einrichten

Stellen wir uns einmal einen leeren Raum vor, welcher zu einem Entdeckungsraum werden soll. Wer mag, kann diesen schon einmal mit Bett, Schrank und einem Regal ausstatten. Auch Grünpflanzen – bei Kleinstkindern außer Reichweite – sind vorteilhaft. Die Wände sind in einem einheitlichen, sanften Farbton gehalten, damit sich Kinder auf eigene Entdeckungsreise geben können.

 

Das Regal haben wir jetzt noch gar nicht eingeräumt und die Sitzgelegenheit hat auch noch keinen festen Platz. Müssen wir diese Aufgabe tatsächlich übernehmen? NEIN, hier können unsere Sprösslinge mit Hand anlegen.

 

Wir stellen lediglich die altersgerechte Beschaffenheit der Materialien sicher. Natürlich spricht auch nichts dagegen, wenn wir die Kinder beim Aussuchen des korrekten Platzes für das Körbchen oder die Baussteinkiste unterstützten. Aber lassen wir doch ruhig auch die Kinder zu Wort kommen!

 

Freie Räume für Entwicklung

Das Kinder lernen spielend. Dabei folgen sie – wenn wir sie lassen – ihrem eigenen Rhyhmus. Es kann also immer wieder vorkommen, dass der Sprössling über Tage hinweg nur puzzelt, Türme baut oder Tannenzapfen sortiert … Warum? Forscher fanden heraus, dass Kinder einer eigenen Forschungsfrage nachgehen. Diese können wir oft nur entschlüsseln, wenn wir das Kinderspiel ohne ständige Unterbrechungen – legt doch lieber den roten Baustein drauf… möchtest du nicht noch …– nach seinen eigenen Regeln tanzen lassen.

 

Hierbei ist es für die Kinder von Vorteil, wenn wir Eltern ihnen die Möglichkeit geben, Bauwerke, Installationen oder eine veränderte Einrichtung im Kinderzimmer über mehrere Tage hinweg stehen zu lassen – nämlich genau so lange, bis ihr aktuelles Projekt abgeschlossen ist.

 

Eltern berichten immer wieder über sogenannte Probleme beim Thema aufräumen. Nehmen wir einmal an, das Kind im Alter zwischen zwei und sechs Jahren „arbeitet“ gerade an seinem eigenen Lernprojekt „Bausteine in einer langen Schlange aneinanderreihen, ohne dass diese umfallen“ nun kommen wir immer pünktlich vor dem Abendessen – wenn gerade erstmals die längste Bausteinschlange aufgebaut ist – und fordern liebevoll: „Bitte aufräumen gleich essen wir!“ Na liebe Papas und Mamas, stellt Euch einmal vor, ihr knobelt gerade, wie der neue Schrank zusammenzubauen ist und als ihr die ersten Bretter und Schrauben gerade geordnet habt, ruft Euer Liebling: „Bitte aufräumen gleich essen wir!“ Was würdet ihr tun?

Wer Lust hast, mehr über Entwicklungs-Frei-Räume und die kindlichen Entwicklungsaufgaben im Austausch mit anderen Eltern zu erfahren, ist herzlich zum interaktiven Elternabend in der Werkstattschule in Rostock eingeladen. Das Rostocker Netzwerk Abenteuer Familie hat die Verhaltensbiologin Frau Dr. Gabriele Haug-Schnabel eingeladen. Sie ist Expertin für den Bereich frühkindliche Entwicklung. Neben ihrer universitären Lehrtätigkeit berät sie beispielsweise Einrichtungen zum Thema Raumgestaltung und Beobachtung. Jetzt hier zum interaktiven Elternabend am 13. Oktobter (Freitag, 19.30-21.00 Uhr) anmelden.

 

Fotos: © ConEvo 2017

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Posted by bastian on in Allgemein